Beschreibung 1954

Göllsdorf zählt heute 1334 Einwohner

(1150 Katholiken, 178 Protestanten, 6 Andersgläubige) und umfasst eine Gemarkung von 790ha. Das Dorf ist überwiegend Arbeiterwohngemeinde. Die kleine Landwirtschaft ist für den größten Teil der Bevölkerung nur Nebenerwerb. Ausgesprochen bäuerliche Betriebe gibt es sehr wenige. Verhältnismäßig groß ist die Zahl der Handwerker. Industriebetriebe dagegen hat Göllsdorf nur zwei aufzuweisen.

Nachdem Albert Kohler das Amt des Bürgermeisters, das nach dem Zusammenbruch von mehreren Verwesern verwaltet worden war, von 1947 bis 1954 innehatte, wurde am 26. September 1954 dessen Sohn, der langjährige Ratsschreiber Johann Kohler, zum Bürgermeister von Göllsdorf gewählt.

 

Der Zusammenbruch war auch innerhalb der Gemeinde ein tiefer Einschnitt, und die darauffolgenden Jahre waren Jahre intensivster Arbeit. Eine Menge von Problemen und Aufgaben rief nach Bewältigung, und sie wurde bewältigt, jeweils nach Grad ihrer Dringlichkeit. Die vordringlichste Aufgabe war die Wasserleitungserneuerung. Unmittelbar nach der Währungsreform wurde sie in Angriff genommen und nach längerer Bauzeit erfolgreich abgeschlossen.

 

1951 wurde mit der Ortskanalisation begonnen und noch im selben Jahr folgte die Bachverlegung.

Diese ermöglichte eine schönere und zweckmäßigere Führung der anschließend erneuerten Hauptstraße und beseitigte zugleich die Hochwassergefährdung des Dorfinneren. Ein Hauptproblem der Nachkriegszeit ist auch hier die vor allem durch die Aufnahme von Flüchtlingen entstandene Wohnungsnot. Die Gemeinde macht alle Anstrengungen, um Ihrer Herr zu werden. Immer neues Baugelände wird erschlossen, immer mehr dehnt sich

das Dorf, dessen Einwohnerzahl heute doppelt so groß ist wie im Jahre 1875, nach allen Seiten aus.

Etwa 100 Wohnungen wurden seit der Währungsreform gebaut. Im Ganzen haben 180 Flüchtlinge in Göllsdorf eine neue Heimat gefunden. Zu diesen Leistungen kam dann der Bau der neuen Kirche, der jahrelang die Dorfatmosphäre wesentlich mitbestimmte. Der Kirchenbau hebt sich vor dem Hintergrund so großer Leistungen der letzten Jahre deutlich und eindrucksvoll ab. Das kulturelle Ansehen der Gemeinde in der Umgebung ist in erster Linie das Verdienst der Vereine. Dazu kommt die Arbeit von Kirche und Schule und das kulturfördernde Wirken der Gemeindeverwaltung. Die Vereine trugen auch, jeder auf seine Art, durch Konzerte und Sportveranstaltungen dazu bei.

 

Zum kulturellen Leben Göllsdorfs gehört auch sein großes Heimatfest, seine traditionelle Saukirbe.

Jährlich zieht dieses farbenfrohe Herbstfest Tausende von Besuchern an. Wer kennt sie nicht, die Wägelchen,

die Göllsdorfer Originale, die von Kindern durch die Straßen gezogen werden. Dass Göllsdorf´s „Hauptfest“

zu Göllsdorf´s Hauptanliegen, seinem Kirchenbau, ein Scherflein beitragen durfte, versteht sich von selbst.

Die Schule ist in einem 1911 erbauten geräumigen Schulhaus untergebracht. In drei Klassen werden zur Zeit 160 Kinder unterrichtet. Durch den plötzlichen Tod des Oberlehrers Josef Steurer am 7. März 1954 ist die Schulleiterstelle zurzeit verwaist. Dieses vorbildlichen Erziehers und aufrechten Menschen sei an dieser Stelle wegen seiner kulturellen Arbeit in der Gemeinde und insbesondere wegen seiner großen Verdienste um den Kirchenbau ehrend gedacht. Die Namen des ständigen Lehrpersonen sind: Hauptlehrerin Magda Blessing und Hauptlehrer Arno Schuster. Unwillkürlich nennt man hier auch den Namen von Hauptlehrerin Anna Kramer, obwohl sie nicht mehr zum Lehrkörper gehört. Jahrzehntelang wirkte diese große Pädagogin hier, und stellte

sich trotz ihres Alters wieder in den Dienst der Schule und der Erziehung. 

 

Verfasser: Bürgermeister Johann Kohler 1954

 

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Letzte Aktualisierung am: 10.12.2018