Göllsdorfer Chronik

Wall und Graben auf dem Dissenhorn und auf dem Staufenberg im Jungbrunnental deuten darauf hin,

dass hier ansässige Kelten Fliehburgen errichtet hatten.

Finanzrat Dr. Eduard Paulus, Verfasser der 1875 herausgegebenen Beschreibung des Oberamts Rottweil,

hat seinerzeit in den Maueräckern „untrügliche Spuren römischen Niederlassung“, vermutlich eines Gutshofs gefunden. Über weitere Funde bei der Bebauung des Geländes ist nichts bekannt.

Wie die römische „Niederlassung“ in der im Gebiet von Rottweil-Altstadt gelegenen größeren Römersiedlung

aus angelegt war,

so dürften auch unsere alemannischen Vorfahren Göllsdorf von dem ursprünglichen Dorf Rottweil (Altstadt)

her besiedelt haben; Ansiedlungen mit der Endung „-dorf“ in ihrem Namen entstanden etwa ab dem siebten Jahrhundert.

Die Beziehungen zum Urort Rottweil blieben in kirchlicher Hinsicht recht lange erhalten. Göllsdorf war Filial-Gemeinde von St. Pelagius in Rottweil-Altstadt. Die Göllsdorfer gingen in die Altstädter Kirche, unterhielten

dort ihr „Göllsdorfer ewiges Licht“ und wurden bis 1838 in der Altstadt beerdigt.

Viele Göllsdorfer trugen früher den Namen „Pelag“. Nachdem die Göllsdorfer einige Jahrzehnte zäh um einen eigenen Pfarrer gerungen und schließlich ein Pfarrhaus gebaut hatten, bekamen sie 1924 zunächst einen Pfarrverweser Namens Franz Weiß.

1927 wurde Leo Sandel als erster Göllsdorfer Pfarrer eingesetzt.

Als erstes schriftliches Zeugnis über Göllsdorf wird anlässlich der Stiftung des Klosters Alpirsbach im Jahre 1099 erstellte Urkunde angesehen, nach welcher Graf Adalbert von Zollern unter anderem seine Güter in „Geroldistorf“ dem Kloster übertrug.

In einer um 1185 erstellten Urkunde bekräftigt Eberhard von Eberstein, dass sein Vater Berthold von Eberstein (um 1150) ein Gut in „Gelstorf“ dem Frauenkloster Berau geschenkt hatte; das Kloster Berau

(zwischen Grafenhausen und Waldshut) unterstand einem St. Blasischen Probst. Berau bleibt in der Folgezeit bist etwa 1730 mit einem Hof und anderem zu Lehen ausgegebenem Eigentum in Göllsdorf reich begütert.

Dem Nonnenkloster Berau und zuletzt dem Nonnenkloster Rottenmünster gehörte auch die „Nonnenwiese“, deren Namen früher die Göllsdorfer zu dem falschen Schluss verleitet hatte, sie hätten einmal selbst ein Nonnenkloster im Dorf gehabt.

Das Benediktinerkloster St. Blasien wird 1280 erstmals als Eigentümer von Grundstücken im Göllsdorfer Bann sichtbar; Burkart der Hüpscher von Rottweil verkauft an St. Blasien seine Güter zu „Gelstorf“. St. Blasien verzeichnet um 1350 zwei Höfe, später einen Fronhof, genannt Maierhof, und eine Reihe von kleineren Lehen

als sein eigen.

Ab etwa 1300, vermehrt in der Zeit von 1375 bis 1400, erscheinen in den Urkunden der „Beringer“ und „des Beringer Hof zu Gelstorf“; das Gut wird teilweise als Lehen der Herren von Falkenstein zu Ramstein aufgeführt.

Für das Zisterzienserinnen-Kloster Rottenmünster sind ab 1301 Güter in Göllsdorf urkundlich nachgewiesen.

Im Laufe der Jahrhunderte erwarb das Kloster so viel – zum Beispiel 1739 noch die ehemals Berauischen Besitzungen – hinzu, dass es vor der Übernahme durch den württembergischen Staat (1803) auf der Gemarkung Göllsdorf der Grundherr mit den ausgedehntesten zu Lehen ausgegebenen Güter war.

St. Blasien konnte seine grundherrlichen Rechte einschließlich einer gewissen Gerichtsbarkeit zunächst ungestört und unangefochten ausüben. Ab 1461 kam es jedoch zu Auseinandersetzungen mit der Reichstadt Rottweil wegen der Rechte in und an Göllsdorf, ferner wegen St. Blasischer Wiesen, die die Rottweiler mit dem von ihnen (zwischen Linsenberg und Brühler Wald) angelegten Karpfenweiher ertränkt hatten.

Nachdem St. Blasien sich mit dem zu Rottweil haltenden damaligen Inhaber des klösterlichen Fronhofs,

Hans Mayer von Göllsdorf, zunächst nochmal verglichen hatte, verkaufte es schließlich am Allerseelentag des Jahres 1466 seine Güter und Rechte in Göllsdorf – nicht aber die Berauerischen Lehen – um fünfhundert rheinische Gulden an Rottweil.

Bis 1802 war nun die Reichsstadt Rottweil Herr über Göllsdorf. Als Teil der Landschaft Rottweil wurde Göllsdorf zusammen mit neun weiteren Flecken vom reichsstädtischen Obervogt verwaltet. Dafür, dass die Bauern und Taglöhner im Flecken möglichst alles nach Recht und Ordnung erledigten, sorgten der Fleckenvogt, der Untervogt und die weiteren drei Mitglieder des Dorfgerichts;  die Ämter vergab der Obervogt jährlich aufgrund eines durch Wahl ermittelten Vorschlags der Dorfbewohner.

Der dreißigjährige Krieg brachte auch Göllsdorf Zerstörung („verbrannte“ oder „ruinierte“ Häuser), Leiden und Tod. Dass Göllsdorf nahe bei der befestigten Stadt lag, wirkte sich bei den Belagerungen 1632/33 durch die feindlichen Württemberger und 1643 durch die Franzosen, aber auch bei Feldlagern und Einquartierungen der kurbayerischen und kaiserlichen Truppen verheerend auf das Dorf und die Feldmarkung aus. Beispielsweise konnten die Göllsdorfer nicht einmal mehr die nötige Saatfrucht von ihren Feldern ernten, nachdem der französische Marschall Guebriant in der Zeit vom 24. bis zum 26. Juli 1643 Rottweil belagert hatte.

1641 beschlagnahmten „kurbayerische Reichsvölker“ Rosse und Vieh, 1643 die feindlichen Belagerer.

Die Stadt Rottweil versuchte zu helfen, indem sie Göllsdorf den Anteil an fälligen Kontributionen erließ,

eine Familie durch Geldgaben vor dem Hungertod rettete und gelegentlich zum Wiederaufbau von Häusern „Sägbäume“ aus den städtischen Wäldern zur Verfügung stellte.

Gegen Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, nämlich von September bis Dezember 1713, verschanzten sich die Truppen Prinz Eugens auf dem Gelände zwischen Sprelling und Falkenberg gegen den befürchteten Angriff einer französischen Armee.

Nachdem die Landschaft Rottweil Ende 1802 württembergisch geworden war, wurde die Gemeinde selbständig. Der letzte Fleckenvogt Martin Bucher, gebürtig aus Lauffen, wurde – nach dem württembergischen Recht auf Lebenszeit bestellter – erster Schultheiß. Die sieben Gemeinderäte wurden von den Gemeindebürgern zunächst auf zwei Jahre und im Fall der Wiederwahl auf Lebenszeit gewählt. Neben dem Gemeinderat gab es den zu wichtigen Entscheidungen beizuziehenden Bürgerausschuss.

Das zu Reichstadtzeiten im Wesentlichen auf die Landwirtschaft beschränkte Erwerbsleben – Göllsdorf war als Handwerksbetrieb nur der eines Schneiders gestattet gewesen – konnte sich zu württembergischer Zeit entfalten. Es siedelte sich zunächst ein Schmied in Göllsdorf an. Weitere kleine Handwerksunternehmen folgten gelegentlich nach.

Im Übrigen  versuchte mancher Göllsdorfer, sich mit Gipsstampfen, Pottasche sieden oder Salpetersieden selbständig zu machen. Die aufkommende Industrialisierung überholte derlei Bemühungen. Die Göllsdorfer verdienten sich ihr Brot weiterhin meist in der Landwirtschaft oder (und) in auswärtigen Industriebetrieben oder staatlichen Einrichtungen und Unternehmen.

Hunger und große Armut waren im vergangenen Jahrhundert nicht selten. Trotzdem und trotz des überaus Großen Kindersterbens wuchs die Zahl der Einwohner unseres Dorfes von 484 im Jahre 1813 auf 710 im Jahre 1900. Wie der Krieg von 1870/71 hatten auch die Napoleonischen Kriege nach dem Leben mancher Göllsdorfer gegriffen. Als Napoleon mit der großen Armee im Jahre 1812 bis nach Moskau gezogen war, waren auch Göllsdorfer mit dabei gewesen. Nachher hatte beispielsweise bei drei Söhnen einer einzigen Familie jeweils im Register vermerkt werden müssen: „In Russland geblieben“.

Was unser Jahrhundert alles gebracht oder genommen hat, ist uns aus eigenem Erleben oder unmittelbar Überliefertem bekannt.

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Letzte Aktualisierung am: 10.12.2018